Interviews | GERMAN MANAGEMENT RUN

Referenteninterviews

"Neujahrsvorsätze ändern weder Läufer noch Führungskräfte"

"Neujahrsvorsätze ändern weder Läufer noch Führungskräfte"

Thomas Sajdak, Motivationstrainer und Geschäftsführer bei Sajdak Training, über die "Steigerung der Mitarbeitermotivation".

GERMAN MANAGEMENT RUN 2018

ESB: Welche Überschneidungen sehen Sie zwischen Erfolg im Sport und Erfolg im Beruf?

Thomas Sajdak:  Zu viele, um Sie in einem Interview unter zu bekommen. Ich möchte mir jedoch zwei Aspekte herauspicken: Vorbereitung und Anerkennung. In unseren Seminaren stärken wir insbesondere Führungskräfte und Verkäufer. Und eben wie im Sport beginnt jeder Erfolg, jedes Mitarbeitergespräch, jedes Meeting, jede strategische Entscheidung und auch jedes Verkaufsgespräch mit einer spitzen Vorbereitung. Die Vorbereitung gibt uns mentale Sicherheit und erhöht unsere Wirksamkeit. In Führung und Vertrieb ist sie sogar Wertschätzung gegenüber unseren Gesprächspartnern. Schlichtweg, weil auch andere spüren, dass wir uns auf sie vorbereitet haben. Damit wären wir auch schon bei dem zweiten Aspekt, der Anerkennung. Lob und Anerkennung sind der Hochleistungstreibstoff für menschliche Motivation. Und so fällt mir z.B. aktuell auch keine einzige Lauf-App ein, die mir aufzeigt, welche Fehler ich gemacht habe oder wie stark meine Leistung abgefallen ist. Sie zeigt mir natürlich konkrete Ergebnisse und hebt immer das hervor, was am besten war. Die schnellste 5km oder 10km Runde, die beste Pace oder sie lobt mich überhaupt, dass ich diese Woche laufen war. Manche Apps ermöglichen es sogar, dass ich über soziale Medien live angefeuert werde. Sie hebt also meine Stärken hervor. Diese Apps haben das Thema Motivation verstanden. Bedauerlicherweise erleben wir in der Wirtschaft oft das genaue Gegenteil. Es herrscht ein Fokus auf das Defizitäre und Fehlerhafte und ich befürchte, dass es so schwerer ist „Weltmeister“ zu formen. Auch Spitzensportler kennen ihre Stärken und Schwächen. Sie fokussieren sich jedoch auf ihre Stärken und bauen diese aus. Dieses Grundprinzip hilft auch Führungskräften ihre Mitarbeiter in einem angemessenen Tempo zu fördern.

ESB: Wie können Mitarbeiter durch Motivationstraining gezielt gefördert werden?

Sajdak:  Das ist eine der wichtigsten Fragen in unserer Branche und sie lässt sich mit der Analogie zum Sport ebenfalls am besten beantworten. Zunächst einmal können wir andere nicht motivieren, wir können ihnen nur helfen sich selbst zu motivieren. Keine Führungskraft und kein Verkäufer dieser Welt ist besser geworden, weil er einen Tag in irgendeiner Verkaufsveranstaltung oder in einem Führungsseminar saß. So ist auch noch niemand ohne Training einen Marathon gelaufen. Unsere Seminare verwenden daher auch den Begriff des Intervalltrainings. Durch die Intervalle zwischen den einzelnen Trainingstagen werden der notwendige Praxistransfer und somit auch die Nachhaltigkeit sichergestellt. Außerdem werden mit jedem Teilnehmer realistische Ziele und konkrete Aufgaben für die tägliche Praxis vereinbart, die ihn in seiner Funktion konsequent stärken. Um es anders zu formulieren: Neujahrsvorsätze ändern weder Läufer noch Führungskräfte. Es braucht Einsichten, konkretes Handeln und letztlich die Wiederholung. Nur auf diese Weise habe selbst ich angefangen irgendwann den Laufsport zu lieben!

ESB: Was muss ein Management für die volle Leistungsfähigkeit, Motivation und Gesundheit der Mitarbeiter bieten? 

Sajdak:  Diese Frage ist nicht mit wenigen Sätzen zu beantworten. Allerdings geht es meistens schon damit los, es als Management vorzuleben. Wie kann ich erwarten, dass sich meine Mitarbeiter motiviert und gesund verhalten, wenn ich es selbst nicht vorlebe? Insofern startet es immer mit der Vorbildfunktion des Managements und bedarf  zusätzlich der passenden Rahmenbedingungen. Themen, die hier eine zentrale Rolle spielen, sind insbesondere bei der heutigen Generation Weiterbildungsmöglichkeiten, allgemeines Arbeitsklima, flexible Strukturen und insbesondere die Einbindung der Mitarbeiter in jeglicher Form. Wenn das WARUM für alle im Unternehmen klar ist, dann arbeiten Menschen für mehr als nur die Zahl auf dem Kontoauszug am Ende des Monats. Für alle neugierigen Manager des Runs haben wir zwei extra Tage am 17. und 18. August 2018 in Bad Saarow unter dem Titel „Management Detox“ konzipiert. Für Teilnehmer des Management Runs besteht ein besonderer Rabatt von 40%, der nur bis zum 09.06.2018 gilt. Infos auch gerne unter info@thomassajdak.de.


Vielen Dank für das Interview!

Referenteninterviews

"Manager sollten auch an ihrer Regenerationsfähigkeit arbeiten"

"Manager sollten auch an ihrer Regenerationsfähigkeit arbeiten"

Florian Glück, Leitung bei der Commax Akademie, über die "Gesundheit von Managern".

GERMAN MANAGEMENT RUN 2018

ESB: Finden Manager zwischen der Masse an Terminen, Meetings und Tagesordnungspunkten genug Zeit für Ernährung, Entspannung und Bewegung?

Florian Glück:  Ja und nein. Wir führen in unseren Inhouse-Seminaren jedes Jahr etwa 4.000 Trainingstage mit Führungskräften und Managern durch. Dabei erleben wir immer wieder, dass diese Zielgruppe ihre berufsspezifischen Verhaltensmuster und -tendenzen auf die Freizeit und den Sport übertragen. Das bedeutet: Nach dem letzten Meeting und vor dem Business-Dinner kommt dann noch eine "intensive Laufeinheit". Und oftmals wäre hier eine kurze Entspannungs- oder Meditations-/Reflexionsphase weitaus sinnvoller.

ESB: Wo sehen Sie Gefahren und Potenziale im aktuellen Umgang mit dem Thema «Gesundheit von Managern»?

Glück:  Eine reine Leistungsorientierung à la "höher - schneller - weiter" kann in solchen Fällen trainingspsycho- und physiologisch kontraproduktiv sein. Sie schwächt den Sport treibenden Manager eher, als ihn mittel- bis langfristig zu stärken. "Schuld daran" sind neben bestimmten Glaubensmustern (hohe Wettbewerbsorientierung im Business wird auf den Sport übertragen, "Ich muss mir / meinem Umfled auch in meiner Freizeit beweisen, wie leistungsstark ich bin) auch die Dynamiken im "Belohnungszentrum" unseres Gehirns. Das bekannte "Runners-high" wird hier ersetzt durch ein Phänomen, dass wir "Runners-Fix" bezeichen. Der laufende Manager setzt sich ein Trainingsziel (Zeit, Strecke) und erreicht dies - mit oftmals intensiver körperlicher und mentaler Anstrengung. Dabei schüttet sein Gehirn die fantastischen Vier aus: Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphine. In der Einzelwirkung sinnvoll, kann ein Cocktail aus diesen vier Zutaten in bestimmten Relationen und Dosierungen zu Gewöhnungs- und Kompensationseffekten führen. In Folge entsteht beim laufenden Manager der Wunsch nach immer mehr. Diesen übersetzt er in höhere Ziele - und fordert so seinen im Berufsalltag eh schon gestressten Körper in der Freizeit zusätzlich. Der Beginn eines Teufelskreises, weil Regeneration, Entspannung und Ruhepausen zu kurz kommen.

 

ESB: Wie kann eine strukturierte Trainingsplanung helfen, die Leistungsfähigkeit im Job nachhaltig zu steigern? 

Glück:  Zunächst sollte jede Planung auf ein Ziel ausgerichtet sein. Und eben hier beginnen viele Missverständnisse. Macht es denn in unserer Welt heutzutage wirklich Sinn, nur daran zu arbeiten, meine Leistungsfähigkeit zu steigern? Unsere Erkenntnisse, Gespräche und Coachings mit Führungskräften und Entscheidern zeigen uns, dass viele gut daran tun, auch an ihrer Entspannungs-,  Erholungs- und Regenerationsfähigkeit zu arbeiten. Und da stehen dann eben andere Einheiten im Trainingsplan als Intervalle und Sprints. Ergo: Es geht um die Ausgewogenheit - oder neudeutsch - das Alignment von mehreren Disziplinen: Ernährung, Entspannung (geistig, körperlich) und Bewegung. Wobei letztere eben auch nicht leistungsorientiert geschehen kann.  Ein so ausgerichteter Trainingsplan berücksichtigt den Manager als komplexes System - und hilft dabei, zu erfahren, wie schön sich auch entspannende Einheiten ohne Druck anfühlen können.

 

ESB: Welche Fortbildungen zu den Themen Work-Life-Balance und Leistungsfähigkeit bietet die Commax Akademie an? Und wie profitieren die Teilnehmer?

Glück:  Aktuell nähern wir uns diesen Themen mit zwei Angeboten: unser Seminar "Läuft bei mir" vermittelt intensive Erlebnisse und Kenntnisse in den Disziplinen Ernährung, Entspannung und Bewegung und funktioniert dabei pragmatisch und undogmatisch. Wir arbeiten mit hier Experten wie Anne-Marie Flammersfeld zusammen. Sie ist Sportwissenschaftlerin, Personal Coach für Manager und Mitglied der deutschen Ultra-Trail-Nationalmannschaft. Daher kennt sie beide Welten - Leistungssport und Leadership - sowie die Motivlage der Rolleninhaber in diesen Welten sehr gut. Die Teilnehmer erleben intensive Praxiseinheiten und lernen, wie sich sich selbst einen auf ihre individuellen Bedürfnisse und Ziele ausgerichteten Trainings- und Ernährungsplan bauen können. Mit unserem zweiten Angebot richten wir uns an alle Manager und Entscheider, die sich jenseits von Klangschalenesoterik professionell und kompakt zum Thema "Mindfulness / Achtsamkeit" weiterbilden wollen. Die Teilnehmer erleben zwei Tage voller praktischer Übungen und kurzweiliger Inputs, die sie an ihrem individuellen Tagesablauf ausrichten und finetunen können. 



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„Bin ja nicht auf den Mund gefallen"

„Bin ja nicht auf den Mund gefallen"

Hubert Schwarz ist Extremsportler, Motivationstrainer und Buchautor. Der richtige Vertreter für die Themen FITNESS. NETWORK. HEALTH auf dem GERMAN MANAGEMENT RUN in Berlin.

Soeben wegen eines Unfalls vom Krankenhaus entlassen, stehen Sie wieder als Referent auf einer Bühne. Woher dieser Antrieb für die Themen Gesundheit, Motivation und Führung?

Mit der richtigen Einstellung und Leidenschaft schafft der Mensch weit mehr, als er denkt. Für das wofür unser Herz brennt, sind wir auch bereit uns weit mehr zu engagieren.  Diese Erkenntnis gilt nicht nur für Sport, sie lässt sich auch auf den beruflichen Alltag und andere Lebensbereiche übertragen. Natürlich könnte ich mich jetzt 6 Wochen ins Bett legen -  bei einem Beckenbruch sind 6 Wochen ohne Belastung Pflicht – aber ich bin ja nicht auf den Mund gefallen. Sprechen kann ich noch. Also suche ich nach Möglichkeiten meinen Vortrag doch zu halten. 

Was können die Teilnehmer des GERMAN MANAGEMENT RUN vom Extremsportler lernen?

Der Extremsport ist natürlich meine persönliche Story. Das sollte wirklich niemand nachmachen. Aber Extremsportler verschieben ihre Grenzen, weil sie bereit sind die eigene Komfortzone zu verlassen, einen Schritt mehr zu machen und damit  über  sich hinauswachsen.  Niemand muss das in dieser Form nachmachen, doch wenn wir  nicht gleich beim ersten misslungenen Versuch aufgeben, es ein zweites und drittes Mal versuchen haben wir vielleicht Chancen unser Ziel zu erreichen.  Wir alle und vor allem Führungskräfte müssen verstehen, dass sie als Person wirken. Wir können nicht nicht wirken! Das müssen wir verstehen!  Führungskräfte sind Vorbilder. Wenn der Chef aktiver Läufer ist, nehmen das Mitarbeiter wahr und vielleicht erkennt der ein oder andere  dies als Triebfeder für den persönlichen Erfolg. Das gebe ich jedem mit auf den Weg, egal in welche Richtung.  Extremsport setzt Disziplin voraus und  Disziplin ist reine Kopfsache. Einfach ausgedrückt heißt das: Führe Dir jeden Tag neu Dein Ziel vor Augen und Disziplin wird Dir auch leicht fallen. Solange wir von dem überzeugt sind, was wir tun und solange wir von etwas träumen, haben wir Grund genug, uns anzustrengen, uns zu verausgaben.

Wer das „warum“ kennt findet auch zum „wie“!  Was müssen Manager tun, um ihre Arbeit mit der eigenen Gesundheit in Einklang zu bringen? 

Sich gesund ernähren, regelmäßig bewegen, eine Strategie gegen Stress und Belastung entwickeln, die Ausgewogenheit mit Familie und persönlichen Interessen herstellen. Einen sehr wichtigen und großen Einfluss hat unser Umfeld. Im Sport musste ich Hochleistung erbringen, der Manager erbringt jeden Tag auf andere Weise Hochleistung, doch beides ist absolut vergleichbar. Auch wenn ich alleine am Rad sitze und jeden Kilometer auch selbst fahren muss, habe ich ohne mein Team keine Chance. Das Team unterstützt mich nicht nur logistisch, materiell und organisiert alle Verpflegung, es hat vor allem einen starken Einfluss auf meine Leistung. Ein gutes Team stärkt den Einzelnen! Ähnlich ist es in Unternehmen. Sind es Menschen die dich blockieren oder sind es Menschen die dich in deinem Tun fördern und unterstützen. In Unternehmen bzw. für Führungskräfte ist es von großer Wichtigkeit die richtigen Teams zusammen zu stellen, denn davon hat man selbst am meisten. 

Vielen Dank für das Interview!